Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Fed und der Leitzins
Vermutlich wird die Fed den Leitzins noch weiter anheben (http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601103&sid=acJ6vJWcJb_o&refer=news). Das sind natürlich schlechte News für die Märkte :( Naja dafür gibt es ein bisschen mehr auf Tagesgeld.
Dasselbe gilt wahrscheinlich für die EZB, die bis Ende Jahr den Zins auf 3,5 erhöhen wird. Bei Notenbankern ist ja immer interessant was sie nicht sagen und leider hat noch keiner ein Ende vom Zinserhöhungszyklus angedeutet.
Wirklich keine gute Nachricht, auf diese Art und Weise hat Greenspan schon einmal uns in eine Rezession hineingebracht. Traurig, dass sein Nachfolger genauso bloed ist.
Angesichts der Konsolidierungsphase im Bereich der Immobilien halte ich das auch nicht wirklich für eine gute Idee. Was mich momentan etwas mehr beunruhigt ist die Tatsache, das die Fed aufgehört hat die Daten zur Geldmenge M3 zu veröffentlichen, so das Einschätzungen zum Sinn oder Unsinn der Leitzinserhöhungen für Außenstehende etwas unsicher geworden sind.
Ralph
Todd, RN
14.09.2006, 21:29
Hm, mich ermutigt das, mich nun doch in absehbarer Zeit nach einer Anstellung im öffentlichen Dienst umzusehen. Ich sehe da am Horizont deutliche Zeichen einer konjunkterellen Abschwächung auftreten und gebe Euch ein Beispiel dafür. Ich besuche regelmässig neue Hausbaustellen und sehe mir die dortigen "model homes" an. Bis vor kurzem quollen die Listen, auf die sich am Kauf Interessierte setzen lassen konnten, noch über. Mittlerweile ködern einen aber die "sales representatives" schon beim Erstbesuch mit kostenlosen Upgrades (2 Jahre kostenlose HOA, Garten anlegen, extrem vergünstigte Darlehen während der ersten 5 Jahre). Ausserdem werden immer mehr Bauprojekte auf Halde gelegt, die noch vor wenigen Monaten grossspurig angekündigt wurden. Mal sehen, wo uns das noch hinführt. Zumindest das Benzin ist ja wieder etwas erschwinglicher geworden...
Todd, das habe ich auf cnn auch gelesen. (http://money.cnn.com/2006/08/24/real_estate/inventive_incentives/) Verkäufer bieten kostenlos Swimmingpools etc., um das Objekt noch schnell zu verkaufen.
http://show.imagehosting.us/show/1612722/0/nouser_1612/T0_-1_1612722.gif
wenn wir schon bei housing boom und Fed sind. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob die Geldpolitik der Fed der Hauptmotor für die hohe homeowner rate war. Was mit Sicherheit ebenfalls eine Rolle spielte, ist der aussergewöhnliche Vermögenszuwachs in der zweiten Hälfte der 90er, sowie die demographische Entwicklung und neue Trends auf dem mortgage market, v.a. subprime lending ist anscheinend erst die letzten Jahre aufgekommen, aber da kenn ich mich nicht aus.
Lurker99
15.09.2006, 01:13
Das ist wie in meiner Branche: Wenn die Putzfrau Aktien (Häuser) kauft ist der Crash nicht weit. Ich glaube aber inzwischen nicht mehr, dass eine Immobilienkorrektur massive Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft haben wird. Inzwischen hatten die Banken schon lange Zeit, sich darauf vorzubereiten. Schlimm wird es für Hausbesitzer und Flipper, aber das ist das Risiko, kein Mitleid hier.
Ich kenn mich mit den Finanzmärkten nicht so aus, aber das der house boom so langsam nachlässt wundert mich überhaupt nicht. Es kann sich doch gar keiner mehr ein Haus hier leisten. Da sich die property taxes nach dem Kaufpreis richten, müssen die Leute ja schon Unmengen an taxes bezahlen. Verrückt sowas.
Nun ja, die Banken haben sich vielleicht darauf vorbereitet, aber wie steht es mit dem Rest der Wirtschaft? Gerade in den boom-Gebieten sind sehr viele Arbeitsplaetze im Baugewerbe und Nebengewerbe entstanden, die nun alle gefaehrdet sind. In manchen Gegenden kann das katastrophale Auswirkungen haben, so geht man in Arizona davon aus, dass 25% aller Arbeitsplaetze des Staates am Baugewerbe haengen. Wenn da auf einmal nicht mehr gebaut wird, dann ist eine massive Rezession da.
Wenn dann noch all die Haeuslebesitzer auf einmal merken, dass man nicht mehr einen home equity loan nach dem anderen aufnehmen kann um sich davon Boote, Autos und anderen Schnickschnack zu kaufen, wird es auch in diesen Industrien eng.
Da tickt eine Zeitbombe, die nicht zu unterschaetzen ist. Ich kann mich noch an die Zeit unter Jimmy Carter erinnern, wo viele Amerikaner in bittere Armut geraten sind. Letztens warnen immer mehr Experten davor, dass wir genau da wieder hinkommen. Das Problem war damals ebenfalls eine Zinserhoehungspolitik in Kombination mit einem kaum vorhandenen Wirtschaftswachstum.
Tina hat allerdings ganz recht, ich habe letztens die Immobilienpreise in Phoenix ueberprueft und dachte ich sehe nicht recht: wir hatten vor 2 Jahren ein condo dort gekauft, damals hatte ich die Preise sehr genau recherchiert, und nun sind sie tatsaechlich durch die Bank weg um 50% hoeher. In zwei Jahren, das ist nicht feierlich. Vor nun genau 10 Jahren hatten wir uns ein Haus in Phoenix angeschaut, das damals ein Neubau war. Das gleiche Haus kostet heute 300% des damaligen Preises. So kann das nicht weitergehen, zumal die Durchschnittsgehaelter der Menschen im gleichen Zeitraum nicht sonderlich gestiegen sind. Mein Gehalt ist in den letzten 10 Jahren 25% gestiegen, die meisten Preise aber mindestens 50-100% und Immobilien 300%.
Die property taxes bergen eine weitere Zeitbombe: wenn die Hauswerte sinken werden viele Kommunen den Katzenjammer bekommen, denn sie haben sich gerade an sprudelnde property-Tax Einnahmen gewoehnt. Das bedeutet dann wieder Entlassungen im oeffentlichen Dienst in grossem Stil, keine oeffentlichen Bauvorhaben mehr etc. Dieses Thema wird in den naechsten Monaten auf kommunaler und staatlicher Ebene hochbrisant werden.
Momentan sieht es wohl danach aus, das die Fed den Leitzinz nicht weiter angebt. Zumindest werden so die Äußerungen von Bernanke beim Economic Club of Washington gedeutet:
[...]Bernanke told the audience that he expects the current housing slowdown to shave a full point off the pace of gross domestic product growth during the second half of this year and possibly into 2007. Stock traders, interpreting that remark as a sign that the Fed is unlikely to resume interest rate increases past 5.25% anytime soon[...]Quelle: Forbes.com (http://www.forbes.com/home/business/2006/10/04/fed-bernanke-speaks-biz-cx_tvr_1004bernanke.html)
Ein Punkt weniger GDP-Wachstum durch die Abkühlung des Immobilienmarktes ist zwar schon ziemlich viel, aber dennoch weit entfernt von dramatischen Berichten, die ein Abstürzen in die Rezession durch das "Platzen der Immobilienblase" vorhergesagt haben.
Ralph
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