Interviews with Corporate America
All,
Da mein Team gerade durch eine Reihe von Interviews geht dachte ich mir ich schildere meine Erfahrungen mit euch, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen.
Mir ist klar dass jede Firma und sogar jedes Team innerhalb der Firmen eine andere Vorgehensweise haben kann von daher masse ich mir nicht an zu behaupten dass was ich hier sehe die Goldene Antwort auf alle Fragen ist.
Ich wuerde mich freuen wenn andere die Erfahrungen mit Interviews in den USA haben (von der Seite des interviewers und nicht unbedingt des interviewees!) ihre Erfahrungen und Eindruecke hier schildern wuerden.
1. Bewerbungsschreiben
Die meisten Kandidaten werden schon aufgrund ihrer Bewerbung ausgesondert. Die richtige Ausbildung zu haben ist meist nicht so wichtig wie die richtige Berufserfahrung und wenn das resume schon sehr lieblos aussieht und von Fehlern strotzt geht das Schreiben ganz schnell auf den "No thank you!" Stapel
2. Die Sache mit dem Visa
Ob jemand sponsorship braucht oder nicht kann Auswirkung darauf haben ob man zum Interview eingeladen wird oder nicht. Einige Stellen sind ausgeschrieben fuer "no sponsorship" und wenn das der Fall ist, ist es sinnlos sich auf die Stelle zu bewerben wenn man ein Visum braucht.
HR wird im normalfall die notwendigen Fragen stellen um diese Frage zu klaeren und man ist gut beraten einfach ehrlich zu antworten.
Wir hatten gerade erst den Fall dass ein Kandidat angegeben hat er brauche kein sponsorship, wir haben den Job angeboten und es stellt sich heraus er braucht doch sponsorship. That was it! Dieser Bewerber braucht sich nicht mehr die Muehe machen sich auf irgendeine Stelle in unserer Firma zu bewerben. Wer schon in der Bewerbung luegt fliegt raus!
Wenn sponsorship zugelassen ist und man gefragt wird sollte man ehrlich antworten. Haetten wir gewusst dass dieser (wirklich gute!) Kandidat sponsorship brauchte haetten wir es wahrscheinlich arangiert.
Es ist sinnlos mit den Leuten zu argumentieren mit denen man interviewed wenn es um sponsorship geht denn die Anweisung ob sponsorship ja oder nein kommt normalerweise von weiter oben.
3. phone screen
Das erste interview ueber Telefon ist eines der wichtigsten denn der recruiter trifft die Entscheidung ob weitere interviews folgen basiert aufgrund des resumes und eines 15-20 Minuten Telefonates.
Man sollte wissen was man in seinem eigenen resume geschrieben hat und wann man welchen Abschluss / Berufserfahrung gemacht hat oder an welchen Projecten man gearbeitet hat und nicht erst ueberlegen muessen wenn man danach gefragt wird!
3. Technical interview
Nach dem phone screen kommt meist ein technical interview das auf die ausgeschriebene Stelle und auf das resume zugeschnitten ist! Auch hier gilt wieder, wenn man schreibt man sein ein "expert in C++ programming" dann kann man besser auch "expert questions" dazu beantworten.
4. Second technical interview
Manchmal machen wir nach dem ersten technical interview ueber Telefon noch ein zweites technical interview uber Telefon.
Dies kann aus zwei Gruenden passieren.
Entweder das erste interview war nicht ueberzeugend und wir wollen dem Kandidaten eine zweite chance geben.
Oder:
Das erste interview war gut aber wir denken der Kandidat waere besser fuer eine andere Stelle geeignet und wir geben die Bewerbung weiter an den recruiter fuer die andere Stelle.
5. On site interview
Zum Interview vor Ort eingeladen zu werden ist im Grunde der letzte Schritt. Nur etwa 20% unserer Kandidaten (und das scheint wohl schon ziemlich hoch zu sein) werden zum interview eingeladen.
Diese Interviews dauern 6 bis 8 Stunden und sind mit mehreren Leuten, eventuell mit mehreren Teams. Mehr technical interviews sind ein Teil davon aber auch behavioral interviews und ein "lunch interview", was in unserem speziellen Fall helfen soll zu sehen ob die Kandidaten gut in unsere Gegend passen wuerden. Wir wollen keinen Anstellen der in Boise wahnsinnig werden wuerde und nach 6 Monaten einen neuen Job sucht weil ihm / ihr nicht gefaellt wo er / sie wohnt.
Waehrend es im Grossen und Ganzen for allem auf Leistung ankommt und die technische Erfahrung eine sehr grosse Rolle spielt sollte nicht vergessen werden dass auch auf das persoenliche Verhalten viel Wert gelegt wird. Wir haben mehr als einen Kandidaten abgelehnt der zwar technisch sehr fit war aber es gab mehrere interviewer die angaben dass sie nicht denken es waere "a good fit for the team" aufgrund von des Verhaltens des Kandidaten.
Ein Kandidat hat angerufen und um andere interviewers fuer sein lunch interview gebeten, wollte aber dem hiring manager nicht sagen warum. Wir koennen nur spekulieren und religoese Motive wahren wahrscheinlich der Grund. Wenn jemand Probleme hat mit einem unserer Leute ein lunch interview zu haben den er nicht einmal kennt, dann ist das sicher keiner mit dem wir in unserem Team arbeiten wollen.
Eine andere Sache die gar nicht gut kommt ist sich was aus den Fingern zu saugen nur um eine Antwort zu geben.
Einer meiner Kollegen stellt immer eine bogus Frage ueber eine neue Technologie oder Programmiersprache die er frei erfunden hat, nur um zu sehen wie der Kandidat reagiert. Wenn der Kandidat sich etwas aus den Fingern leiert wie "Oh ja, davon habe ich auch gehoert, das soll klasse sein ..." war es das Ende seiner Karriere bei uns.
Das schockierenste was ich bisher gehoert habe (ich war nicht dabei) ist dass einige Kandidaten, die der englischen Sprache nicht sehr maechtig sind, wohl andere Leute dafuer bezahlen fuer sie zu den Interviews zu gehen. Wenn das Interview gut verlaeuft und die Stelle angeboten wird kommt dann das boese Erwachen am ersten Arbeitstag - wenn jemand ganz anderes vor der Tuer steht. 
In unserer Firma kommt man damit nicht durch sondern wird von der security freundlich nach draussen gebracht und die Rechtsabteilung wird sich mit denen in Verbindung setzen, Kollegen die fuer kleinere Firmen gearbeitet haben haben aber berichtet dass einige tatsaechlich geblieben sind. Wer haette das gedacht...
Liebe Gruesse aus Boise,
--Susan
"Perfection is achieved, not when there is nothing more to add, but when there is nothing left to take away." Antoine de Saint-Exupéry
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